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Prozess gegen italienische Beamte wegen Bootsunglück mit 94 toten Migranten begonnen
Knapp drei Jahre nach einem Bootsunglück mit dutzenden toten Migranten hat in Italien am Freitag der Prozess gegen sechs italienische Beamte begonnen. Die vier Beamten der italienischen Finanzpolizei Guardia di Finanza und zwei Mitglieder der Küstenwache werden der fahrlässigen Tötung und des Schiffsbruchs "durch Fahrlässigkeit" beschuldigt, weil sie nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht rechtzeitig auf die Notlage des Bootes reagiert haben.
Alle sechs Angeklagten erschienen laut italienischen Medienberichten am Freitag vor dem Gericht in der Nähe der süditalienischen Stadt Crotone. Wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, wollten alle Angeklagten vor Gericht aussagen.
Bei dem Untergang des Schiffes mit rund 175 Migranten aus Afghanistan, dem Iran, Pakistan und Syrien an Bord im Februar 2023 vor der Küste nahe Cutro in der süditalienischen Region Kalabrien waren 94 Menschen ertrunken, darunter 35 Kinder. Nach Angaben der Behörden verschwanden bei dem Bootsunglück weitere Menschen, deren Leichen nie gefunden wurden. Es handelte es sich um eines der schwersten Unglücke dieser Art vor der italienischen Küste.
Den Angeklagten wird vorgeworfen, nicht reagiert zu haben, obwohl die Behörden seit Stunden von dem Boot gewusst hatten. Ein Flugzeug der EU-Grenzschutzagentur Frontex entdeckte das Boot etwa 38 Kilometer vor der Küste und informierte die italienischen Behörden. Doch ein später von der Guardia di Finanza entsandtes Schiff kehrte aufgrund des schlechten Wetters um. Das Migrantenboot zerschellte etwa vier Stunden später an einem Felsen in der Nähe der Küste.
Die Staatsanwaltschaft wirft der Polizei sowie der Küstenwache mangelnde Kommunikation vor und Zeit verschwendet zu haben. Das schlechte Wetter hätte demnach zu einer Neubewertung der Lage und sowie zu einem Such- und Rettungseinsatz führen müssen.
Hilfsorganisationen wie SOS Humanity und Mediterranea Saving Humans treten als Zivilparteien in dem Prozess auf. Sie werfen der rechtsextremen Regierung unter Ministerpräsidentin Georgia Meloni vor, Migrantenboote als Problem der Strafverfolgung statt als humanitäres Problem zu behandeln.
Nach Angaben der italienischen Regierung sind im vergangenen Jahr rund 66.000 Migranten an der italienischen Küste angekommen - ähnlich viele wie 2024 und deutlich weniger als 2023, als mehr als 157.000 Menschen angekommen waren. Der Weg über das zentrale Mittelmeer gilt als eine der gefährlichste Flüchtlingsroute der Welt. Allein im vergangenen Jahr starben auf dieser Route nach Angaben der Internationale Organisation für Migration (IOM) mindestens 1340 Migranten.
A.Santos--PC