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Medizin-Nobelpreis für Entdeckung von "Wächtern" des Immunsystems
Für ihre Forschungen zur körpereigenen Kontrolle des Immunsystems werden die Wissenschaftler Mary E. Brunkow und Fred Ramsdell aus den USA sowie Shimon Sakaguchi aus Japan in diesem Jahr mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Mit ihrer Arbeit hätten sie nachgewiesen, wie der Körper das Immunsystem mit Hilfe von "Wächtern" - den sogenannten regulatorischen T-Zellen - in Schach halte, teilte das Nobel-Komitee am Montag in Stockholm mit.
Bei dem diesjährigen Medizin-Nobelpreis gehe es "um die Art und Weise, wie wir unser Immunsystem kontrollieren, um gegen alle erdenklichen Mikroben zu kämpfen und dabei Autoimmunkrankheiten zu verhindern", erklärte Marie Wahren-Herlenius, Professorin am Karolina-Institut.
Die drei Wissenschaftler würden "für ihre Entdeckungen zur peripheren Immuntoleranz geehrt", erklärte das Nobel-Komitee. "Das starke Immunsystem des Organismus muss reguliert werden, sonst droht es unsere eigenen Organe anzugreifen." Die diesjährigen Nobelpreisträger hätten die "Wächter des Immunsystems identifiziert, die regulatorischen T-Zellen, die verhindern, dass die Immunzellen unseren eigenen Körper angreifen".
Brunkow, Ramsdell und Sakaguchi hätten mit ihren Entdeckungen "die Grundlage für ein neues Forschungsgebiet gelegt und die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden vorangetrieben, zum Beispiel für Krebs und Autoimmunkrankheiten", betonte das Nobel-Komitee. Die Hoffnung bestehe darin, Autoimmunerkrankungen behandeln oder heilen zu können, wirksamere Krebsbehandlungen anbieten zu können und schwerwiegende Komplikationen nach Stammzelltransplantationen verhindern zu können, erklärten die Juroren.
Die 1961 geborene Brunkow arbeitet an dem unabhängigen Institut für Systembiologie in Seattle an der US-Westküste. Der 64-jährige Ramsdell forscht für die Biotechnologiegesellschaft Sonoma Biotherapeutics in San Francisco. Der 74-jährige Immunologe Sakaguchi arbeitet als Professor an der Universität von Osaka.
Das Nobel-Komitee konnte die beiden in den USA lebenden Forschenden zunächst nicht erreichen. "Wenn Sie dies hören, rufen Sie mich an", scherzte der Generalsekretär des Nobel-Komitees, Thomas Perlmann, bei der Pressekonferenz zur Bekanntgabe der Preisträger.
Sakaguchi sagte vor Journalisten in Japan, er hoffe, dass die Auszeichnung "als Chance für die weitere Entwicklung dieses Fachgebietes dient ... in einer Richtung, in der es in der tatsächlichen Krankenpflege und im klinischen Bereich angewendet werden kann".
Die erste entscheidende Entdeckung machte Sakaguchi im Jahr 1995. Damals waren viele Wissenschaftler überzeugt, dass eine Immuntoleranz nur entstehen konnte, weil potenziell schädliche Immunzellen im Thymus - einem drüsenartigen Gebilde - eliminiert wurden durch einen Prozess namens "zentrale Toleranz".
Sakaguchi konnte zeigen, dass das Immunsystem komplexer ist, und entdeckte eine bis dahin unbekannte Klasse von Immunzellen, welche den Körper vor Autoimmunerkrankungen schützen.
Brunkow und Ramsdell machten im Jahr 2001 eine weitere wichtige Entdeckung: Sie konnten erklären, warum bestimmte Mäuse besonders anfällig für Autoimmunerkrankungen waren. "Sie hatten entdeckt, dass Mäuse eine Genmutation haben, die sie Foxp3 nannten", erläuterte das Nobel-Komitee. "Sie zeigten außerdem, dass Mutationen bei dem menschlichen Equivalent dieses Gens eine schwere Autoimmunerkrankung auslösen, IPEX."
Zwei Jahre später gelang es Sakaguchi, diese Entdeckungen miteinander zu verknüpfen. Er wies nach, dass das Gen Foxp3 die Entwicklung der Zellen steuert, die er 1995 identifiziert hatte. Diese Zellen, "heute unter dem Namen regulatorische T-Zellen bekannt, überwachen die anderen Immunzellen und sorgen dafür, dass unser Immunsystem unser eigenes Gewebe toleriert", erklärten die Nobel-Juroren.
Brunkow, Ramsdell und Sakaguchi werden bei einer offiziellen Zeremonie am 10. Dezember in Stockholm von Schwedens König Carl XVI Gustaf mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Sie erhalten eine Urkunde, eine goldene Medaille und einen Scheck über elf Millionen Kronen (rund 998.000 Euro), die sie sich teilen müssen.
Der 10. Dezember ist der Todestag des Stifters Alfred Nobel. Der Erfinder des Dynamits hatte von 1833 bis 1896 gelebt.
A.Silveira--PC