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Ermittlungsverfahren gegen Merck in Frankreich eingeleitet
Nach jahrelangen Untersuchungen gegen den deutschen Pharmakonzern Merck wegen eines Schilddrüsen-Medikaments hat die französische Justiz nun ein Ermittlungsverfahren wegen "schwerer Täuschung" eingeleitet. Der Chef von Merck in Frankreich sei am Dienstag von einem Gericht in Marseille angehört worden, teilte der französische Konzernzweig am Mittwoch mit. "Die Untersuchungsrichterin hat beschlossen, ein Ermittlungsverfahren gegen die Gesellschaft Merck wegen schwerer Täuschung einzuleiten", hieß es weiter.
"Wir haben lange auf den Beginn des Verfahrens gewartet. (...) Endlich bewegt sich etwas", sagte die Anwältin Marie-Odile Bertella-Geffroy, die etwa 3000 Patienten vertritt, die nach der Einnahme des Mittels Levothyrox nach eigenen Angaben unter Nebenwirkungen litten.
Die Merck KGaA hatte 2017 die Zusammensetzung des Medikaments geändert. Der Wirkstoff blieb derselbe, aber es kamen andere Hilfsstoffe hinzu, um es stabiler zu machen. Dies führte bei vielen Patienten zu Nebenwirkungen wie Krämpfen, Kopfschmerzen, Schwindel und Haarausfall.
2018 wurde eine strafrechtliche Untersuchung wegen schwerer Täuschung, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet.
Im aktuellen Verfahren gehe es nicht um die Qualität des Medikaments, sondern um "die Art der Information zum Zeitpunkt des Übergangs von der alten zur neuen Zusammensetzung", betonte des Unternehmen. Es wolle alles tun, um zu zeigen, dass kein Delikt vorliege.
Merck war bereits 2020 in einem Zivilverfahren zur Zahlung von Schadensersatz an etwa 3300 Patienten verurteilt worden. Im März lehnte das Kassationsgericht einen Revisionsantrag ab. Wenn ein Hersteller die Zusammensetzung ändere und dies nicht bekannt gebe, verletze er seine Informationspflicht, urteilte das Gericht.
Die neue Zusammensetzung des Medikaments war zwischen 2017 und 2018 von rund 31.000 Patienten beanstandet worden. Levothyrox war 2017 in Frankreich in einer neuen Rezeptur auf den Markt gekommen. Der Pharmakonzern kam damit einer Aufforderung der französischen Behörde für Arzneimittelsicherheit nach. Das Mittel sollte damit gegen Schilddrüsen-Unterfunktion zuverlässiger werden.
Derzeit nehmen etwa 2,5 Millionen Menschen das Medikament in der neuen Zusammensetzung ein. Knapp 100.000 Patienten nutzen es in der alten Rezeptur, deren Vermarktung mehrfach verlängert wurde und Ende des Jahres auslaufen soll.
L.Mesquita--PC