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Undav trifft doppelt: DFB-Elf entfacht WM-Euphorie
Angeführt von ihrem eiskalten Torjäger Deniz Undav hat die deutsche Nationalmannschaft WM-Euphorie entfacht. Zwei Wochen vor dem Start der Mission fünfter Stern nährte nicht nur der Stuttgarter Doppeltorschütze beim 4:0 (1:0) gegen allerdings zweitklassige Finnen die vagen Hoffnungen auf den "American Dream". Und Julian Nagelsmann gewann bei seinem großen Alternativen-Test die Gewissheit, dass es auch ohne Säulen wie Manuel Neuer und Kai Havertz geht.
Undav bewies seine Qualitäten als Vertreter des Champions-League-Finalisten Havertz mit zwei Toren (34./57.) und der Vorlage zum 2:0 durch Florian Wirtz (48.). Nach seinem zweiten Treffer musste er aber mit Oberschenkelproblemen vom Platz. Die Sorgen der Fans in Mainz zerstreute der nach 434 Tagen zurückgekehrte Zauberfuß Jamal Musiala umgehend mit dem vierten Tor (63.), allerdings blieb der Münchner auch manches schuldig.
14 Tage vor dem WM-Start in Houston gegen Curacao lief gerade in der ersten Halbzeit nicht alles rund. Die deutliche Leistungssteigerung im zweiten Durchgang machte aber bereits Lust mehr, vor allem Jungstar Lennart Karl nutzte seine Chance.
Die Zuschauer wurden schon lange vor dem Anpfiff mit WM-Hits vergangener Jahre in Stimmung gebracht. Als die DFB-Auswahl um 20.11 Uhr zum Warmmachen in die Arena einlief, brandete Jubel auf. Später präsentierten die Zuschauer eine große Choreografie: Sie tauchten die Westtribüne in Deutschlandfarben und hielten ein Banner mit acht Nationalspielern in die Höhe. "LET'S GO", stand darunter in großen Lettern.
Und die Mannschaft mühte sich, die Vorgabe direkt umzusetzen. Undav vergab eine erste gute Chance (8.), als er im Strafraum den Ball nicht richtig traf. Wirtz und Nathaniel Brown, der etwas überraschend auf der linken Abwehrseite begann, hatten sich sehenswert nach vorne kombiniert.
Überhaupt hatte Nagelsmann für den letzten WM-Test auf deutschem Boden einigen Spielern eine Bewährungschance gegeben. Der Dortmunder Felix Nmecha begann im Mittelfeld an der Seite des gesetzten Aleksandar Pavlovic, der Münchner Karl durfte vorne rechts beginnen, zudem erhielt Brown den Vorzug gegenüber David Raum.
Der Frankfurter Verteidiger habe "die Gabe, offensiv die Räume zu finden" und einen "guten Speed", sagte Nagelsmann im ZDF. Raum wiederum sei eine "Art emotionaler Leader", auf der Position des Linksverteidigers habe er "zwei sehr gute Spieler" zur Verfügung.
Dem guten Beginn ließ Deutschland jedoch etliche Minuten Leerlauf folgen. Das Team fand kaum Lücken und spielte nach vorne behäbig. Die Fans beobachteten das Spiel dennoch äußerst wohlwollend. Der degradierte Torhüter Oliver Baumann, der für den an der Wade verletzten Rückkehrer Neuer begann, erhielt bei seinem ersten Ballkontakt viel Applaus und wurde in der Schlussphase mit Sprechchören bedacht.
Doch vorerst sprang der Funke nicht über. Letztlich musste ein Standard helfen: Karl führte einen Eckstoß kurz aus, die Abwehr der Finnen war unsortiert - und so durfte Undav eine Flanke von Joshua Kimmich per Kopf versenken.
Überhaupt punktete Karl auf der rechten Seite: Der 18-Jährige spielte ähnlich locker und unbekümmert wie im Verein. In einem zähen ersten Durchgang war er ein Lichtblick. Mit seiner Mannschaft war Nagelsmann sichtlich unzufrieden, griff mehrfach korrigierend ein.
Doch nach der Pause nahm Deutschland Schwung auf. Undav erkämpfte den Ball im finnischen Strafraum und bediente Wirtz per Grätsche, wenig später erhöhte er nach einem Konter - herrlich eingesetzt von Karl. Doch bei der Aktion verletzte sich Undav.
Die DFB-Elf ließ sich davon nicht beirren: Musiala sorgte dafür, dass die Mannschaft am Dienstag mit einem guten Gefühl in Frankfurt abheben wird. Am 6. Juni findet in Chicago die WM-Generalprobe gegen Co-Gastgeber USA statt. Ob Neuer dann im Tor stehen wird, ist offen.
A.Aguiar--PC