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Dschihadisten und Tuareg-Rebellen in Mali greifen landesweit die Armee an
In Mali haben Dschihadisten und Tuareg-Rebellen am Wochenende landesweite Angriffe auf die herrschenden Militärs ausgeführt. Bei einem Angriff nahe der Hauptstadt Bamako wurde Verteidigungsminister Sadio Camara getötet, wie von seiner Familie verlautete. Die Tuareg-Rebellengruppe FLA erklärte, die Stadt Kidal im Norden Malis eingenommen zu haben. Die Kämpfe dauerten am Sonntag an.
Die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime (JNIM) teilte mit, sie koordiniere die Angriffe mit der FLA. "Gemeinsam führen wir eine wahrhaftige Transformation aus, im Dienste der Religion, des Landes und des Volkes", erklärte der Al-Kaida-Ableger. Aus Bamako sowie zahlreichen weiteren Städten des westafrikanischen Krisenstaates wurden heftige Gefechte zwischen der Armee und den Angreifern gemeldet.
Verteidigungsminister Camara, seine zweite Frau und zwei seiner Enkelkinder seien durch eine Explosion einer Autobombe in seiner Residenz in Kati getötet worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP von seiner Familie und aus Regierungskreisen. Kati, ein Vorort von Bamako, gilt als Hochburg der regierenden Militärjunta.
Die JNIM erklärte am Samstag, ihre Kämpfer hätten in Kati die Wohnhäuser von Junta-Chef Assimi Goita und des Verteidigungsministers angegriffen. Auch der internationale Flughafen von Bamako und weitere Ziele seien attackiert worden. Anwohner in Kati berichteten von heftigen Explosionen an der Residenz von Camara.
Auch am Sonntag wurden wieder Kämpfe in mehreren Städten des Landes gemeldet. Neben Kati waren demnach Gao, Sévaré und Kidal Schauplatz heftiger Gefechte. Ein Einwohner in Kati sagte, die Kämpfe seien "überall" wieder aufgeflammt und die Dschihadisten "auf dem Hügel" über dem Ort. Ein anderer Einwohner berichtete von Flugzeugen über der Stadt.
Die malischen Streitkräfte hatten am Samstag mitgeteilt, "terroristische Gruppen" hätten am frühen Morgen Kasernen und andere Punkte in Bamako und weiteren Landesteilen angegriffen. Die Situation sei "unter Kontrolle" und mehrere "Terroristen" "neutralisiert" worden. 16 Zivilisten und Soldaten seien verletzt worden, und es gebe "begrenzte Sachschäden".
Die Tuareg-Rebellengruppe FLA erklärte allerdings am Samstag, sie habe die Stadt Kidal eingenommen. Am Sonntag gab die Gruppe dann eine "Einigung" mit russischen Streitkräften bekannt, welche die malische Junta unterstützen. Die Einigung sehe vor, dass die malische Armee und ihre russischen Verbündeten vom Afrikakorps ein Lager verlassen könnten, "in dem sie sich seit gestern verschanzt hatten", sagte ein FLA-Vertreter der AFP.
Das direkt dem russischen Verteidigungsministerium unterstellte Afrikakorps hat die Aufgabe der einst als Gruppe Wagner bekannten Söldnertruppe übernommen und unterstützt die malischen Streitkräfte im Kampf gegen Dschihadisten. Mali hat - wie auch seine Nachbarstaaten Niger und Burkina Faso - die Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich abgebrochen und sich Russland angenähert.
Das russische Außenministerium teilte mit, etwa 250 Kämpfer hätten den Flughafen von Bamako und einen nahegelegenen Militärstützpunkt angegriffen. Der Angriff sei jedoch abgewehrt worden. "Die russische Seite äußert ihre tiefe Besorgnis angesichts der aktuellen Ereignisse", schrieb das Ministerium im Onlinedienst Telegram.
Die EU verurteilte die "Terroranschläge" in Mali aufs Schärfste, wie es in einer Erklärung der Außenbeauftragten Kaja Kallas hieß. "Wir bekräftigen unsere Entschlossenheit im Kampf gegen den Terrorismus sowie unser Engagement für Frieden, Sicherheit und Stabilität in Mali und in der gesamten Sahelzone", hieß es weiter.
Auch UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die "Gewalttaten" in Mali. Er rief nach Angaben eines Sprechers zudem zu koordinierter internationaler Unterstützung auf, um der "Bedrohung durch gewalttätigen Extremismus und Terrorismus in der Sahelzone zu begegnen".
Mali wird seit vielen Jahren von massiver Gewalt erschüttert. Die seit zwei Putschen in den Jahren 2020 und 2021 herrschenden Militärs sehen sich unter anderem mit einer Rebellion islamistischer Extremisten konfrontiert, die immer wieder Anschläge und Angriffe auf Regierungstruppen verüben. Auch sind kriminelle Banden in dem Land aktiv.
Die Angriffe auf Regierungstruppen am Wochenende hatten nach Einschätzung von Beobachtern aber eine neue Qualität. "Wir haben es mit einer riesigen koordinierten Offensive im ganzen Land zu tun, wie wir es seit 2012 nicht mehr gesehen haben, als die Regierung das halbe Land verloren hat", sagte Charlie Werb vom Sicherheitsberatungsunternehmen Aldebaran Threat Consultants der AFP.
P.Sousa--PC