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Teilnehmer des Trauerzugs für Chamenei in Teheran fordern "den Kopf von Trump"
Eine unüberschaubare Menschenmenge hat am Montag die Straßen Teherans gesäumt, als der Leichnam von Irans oberstem Führer Ayatollah Ali Chamenei in einem Trauerzug durch die iranische Hauptstadt gefahren wurde. Schwarz gekleidete Trauernde warfen Blütenblätter auf Chameneis Sarg, der auf der offenen Ladefläche eines Lastwagens aufgebahrt war. Die Menschen skandierten Parolen gegen die USA und Israel. Chamenei war zu Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran Ende Februar getötet worden.
Zur Zahl der Teilnehmer an dem Trauermarsch äußerten sich die iranischen Behörden zunächst nicht, im Vorfeld hatten sie mit bis zu 20 Millionen Menschen bei den tagelangen Trauerfeiern gerechnet. Das Staatsfernsehen sprach von Millionen Teilnehmern an dem Marsch.
Die Bevölkerung war aufgerufen worden, massenhaft zu den Feierlichkeiten zu erscheinen, um nach den 40 Tagen Bombardement des Krieges ein Bild der Einigkeit und der Standhaftigkeit gegenüber den Erzfeinden USA und Israel zu vermitteln. Eine 22 Jahre alte Studentin sagte, sie sei gekommen, "um der ganzen Welt zu zeigen, wie sehr wir das System lieben und ihm verbunden sind".
"Wir wollen kein Abkommen, wir wollen den Kopf von Trump", riefen Teilnehmer des Trauerzuges. Auf Plakaten wurde zur Tötung von US-Präsident Donald Trump und des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu aufgerufen.
"Alle sprechen von Rache", sagte ein 58-jähriger Mann. Er hielt ein Bild von Trump in den Händen, der darauf mit einer Waffe bedroht wird. "Es muss geschehen, sonst wird es später noch schlimmer." Ein anderer Mann sagte, er wolle "weder Frieden noch Freundschaft" mit denjenigen, die Chamenei getötet hätten.
Der Trauerzug dauerte etwa zehn Stunden und passierte eine Strecke von 20 Kilometern. Er stellte den Höhepunkt der am Samstag begonnenen Trauerfeierlichkeiten dar. Am Wochenende war Chameneis Sarg im Mosalla-Moscheenkomplex in Teheran aufgebahrt worden. Sonntag und Montag waren zu Feiertagen erklärt worden, damit die Bevölkerung Abschied von Chamenei nehmen konnte. Der Luftraum über Teheran wurde gesperrt.
"Das Beispiel des Märtyrers zeigt allen, dass die größten Stärken des Iran sein Volk und seine Einheit sind", schrieb der iranische Präsident Masud Peseschkian im Onlinedienst X. "Heute werden wir auf dem Pfad von Irans Ehre, Fortschritt und Ruhm weiter voranschreiten."
Bei Temperaturen von mehr als 35 Grad wurden die Teilnehmer des Trauerzugs von Tankwagen aus mit Wasser besprüht, Getränke und Essen wurden ausgegeben. Die Organisatoren verteilten iranische Flaggen und Bilder von Chamenei und seinem Sohn und Nachfolger Modschtaba Chamenei.
Der Leiter der Rettungsdienste, Dschafar Miadfar, sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Irna, zunächst seien keine Todesfälle gemeldet worden. 34.000 Teilnehmer des Trauerzuges seien aber medizinisch versorgt worden.
Um ein Chaos wie bei den Trauerfeierlichkeiten für Chameneis Vorgänger Ayatollah Ruhollah Khomeini zu vermeiden, begleiteten Sicherheitskräfte zu Fuß den Trauerzug. 1989 waren damals bei einem Massengedränge nach Angaben der Staatsmedien mehr als zehn Menschen ums Leben gekommen und mehr als 10.000 weitere verletzt worden. Zahlreiche Trauernde hatten damals das Fahrzeug gestürmt, wobei das Leichentuch zerriss und Khomeinis Leichnam zu Boden fiel.
Der 86-jährige Chamenei stand als Nachfolger Khomeinis an der Spitze des klerikalen Systems im Iran und war damit der mächtigste Mann im Staat. Der erzkonservative oberste Führer war am 28. Februar, dem ersten Tag des US-israelischen Krieges gegen den Iran, bei einem Angriff auf seine Residenz in Teheran getötet worden.
Bei dem Angriff soll auch Chameneis Sohn Modschtaba Chamenei verletzt worden sein, der später zum neuen obersten Führer des Landes ernannt wurde. Er trat seitdem nicht öffentlich auf und zeigte sich anders als seine drei Brüder auch nicht bei den Trauerfeierlichkeiten.
Am Dienstag soll Chameneis Sarg in die schiitische Gelehrtenstadt Ghom gebracht werden, am Mittwoch in schiitische Heiligtümer im Nachbarland Irak. Am Donnerstag soll Chamenei dann gemeinsam mit seinen getöteten Familienmitgliedern in seiner Heimatstadt Maschhad im Nordosten des Iran beigesetzt werden.
Die Tötung Chameneis nach mehr als dreieinhalb Jahrzehnten an der Macht hat in der Islamischen Republik eine neue Ära eingeläutet, die jedoch von Ungewissheit geprägt ist. Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Massenproteste im Januar mit tausenden Toten gelten die Trauerfeierlichkeiten als Test dafür, wie stark die Unterstützung für die Führung in Teheran ist.
X.Matos--PC