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Empörung in Ukraine nach Olympia-Ausschluss von Skeleton-Fahrer Heraskewytsch
Der Ausschluss des ukrainischen Athleten Wladislaw Heraskewytsch von den Olympischen Winterspielen wegen eines Gedenkhelms für im russischen Angriffskrieg getötete Sportler hat in der Ukraine für große Empörung gesorgt. Die Disqualifizierung des Skeleton-Fahrers spiele dem Aggressor Russland in die Hände, kritisierte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag in Onlinenetzwerken. Heraskewytsch erhielt viel Unterstützung in seiner Heimat. Das wichtige Nachrichtenportal "Ukrainska Pravda" stellte ein Foto von Heraskewytsch mit seinem Helm ganz nach oben auf seine Website.
Selenskyj kündigte an, den von den Winterspielen in Norditalien verbannten 27-Jährigen "für seinen selbstlosen Dienst am ukrainischen Volk, seine Zivilcourage und seinen Patriotismus bei der Verteidigung der Ideale Freiheit und demokratische Werte" mit einer staatlichen Auszeichnung zu ehren. "Wir sind stolz auf dich, Wladislaw, und auf das, was du getan hast. Mut zu haben ist mehr Wert als eine Medaille", erklärte Selenskyj.
Heraskewytsch wollte im Wettkampf einen Helm mit Porträts von ukrainischen Sportlern tragen, die seit dem Einmarsch der russischen Truppen in der Ukraine getötet wurden. Weil er trotz Warnungen des IOC an dieser Absicht festhielt, wurde er am Donnerstag disqualifiziert. Das Komitee begründete die Maßnahme mit Heraskewytschs "Weigerung, sich an die Richtlinien des IOC zur Meinungsäußerung von Athleten zu halten". Politische Meinungsäußerungen und Symbolik sind den Athleten während der olympischen Wettkämpfe verboten.
"Wladislaw ist nicht an den Start gegangen, aber er war nicht allein – er hatte die ganze Ukraine hinter sich", hieß es in einer Erklärung des Ukrainischen Olympischen Komitees. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha schrieb in Onlinenetzwerken, das IOC habe "nicht den ukrainischen Athleten disqualifiziert, sondern seinen eigenen Ruf". Der ukrainische Sportminister Matwyj Bidnyj kommentierte Heraskewytschs Olympia-Ausschluss mit den Worten: "Wladislaw, du hast in Würde gehandelt!"
Auch in der Bevölkerung der Ukraine sorgte Heraskewytschs Disqualifizierung für Entrüstung. "Schmort in der Hölle", sagte der 39-jährige IT-Manager Ilja Zachar der Nachrichtenagentur AFP unter Bezug auf das IOC. "Ich bin stolz auf die Standhaftigkeit unseres Sportlers, darauf, dass er nicht nachgegeben hat, obwohl das zu Lasten seiner sportlichen Karriere geht", fügte er hinzu.
Irina Naliwajko aus Kiew, die aus Kiew zu den Olympischen Spielen nach Italien reiste, erinnerte daran, dass die Sportler auf Heraskewytschs Helm "echte Menschen waren, die durch die russische Invasion gestorben sind".
Heraskewytsch hatte den Gedenkhelm während eines Trainings in Cortina d'Ampezzo getragen und wollte ihn auch im Wettkampf nutzen, um an den seit bald vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg gegen sein Land und an die in dem Krieg getöteten ukrainischen Athleten zu erinnern. Nach Angaben des ukrainischen Sportministers Bidnyj wurden in der Ukraine "mehr als 650 Sportler und Trainer" in dem Krieg getötet.
IOC-Sprecher Mark Adams erklärte jedoch am Dienstag, dass der Helm gegen die Richtlinien zu "politischen Symbolen" bei den Olympischen Spiele verstoße. Nach seinen Angaben wollte das IOC aber eine Ausnahme machen und Heraskewytsch erlauben, eine schwarze Armbinde zu tragen. Das IOC habe ihm zudem angeboten, dass er den Helm unmittelbar nach dem Wettkampf im Pressebereich aufsetzen könne, erklärte das Komitee. Darauf sei der Sportler nicht eingegangen.
Das IOC gab dann am Donnerstagmorgen den Ausschluss des Sportlers bekannt. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry habe erneut mit dem 27-Jährigen gesprochen und versucht, ihn zu einem Sinneswandel zu bewegen, erklärte das IOC. Heraskewytsch sei dabei "eine letzte Chance" gegeben worden, seine Meinung zu ändern. Dies sei jedoch nicht geschehen.
Während politische Statements bei Olympia während der Wettkämpfe oder auf dem Medaillenpodest verboten sind, dürfen die Sportlerinnen und Sportler ihre politische Meinung auf Pressekonferenzen und in Onlinediensten äußern.
Heraskewytsch sagte zu seiner Disqualifizierung vor Journalisten: "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ich gegen keine Regel verstoßen habe." Seine Disqualifizierung sei "eine Fehlinterpretation der Regeln" durch das IOC und eine "falsche" Entscheidung.
"Athleten, die sich fast in der gleichen Situation befanden, wurden anders behandelt und nicht bestraft", fuhr der Sportler fort. "Bei den Snowboard-Wettbewerben beispielsweise hat ein Athlet eine russische Flagge gezeigt. Gemäß den Vorschriften des IOC ist die russische Flagge verboten, aber dieser Athlet ist nicht bestraft worden", monierte der Skeleton-Fahrer.
Heraskewytsch war neben der Eisschnellläuferin Jelysaweta Sydorko der Fahnenträger seines Landes beim traditionellen Einlaufen der Mannschaften bei der Olympia-Eröffnung.
A.Magalhes--PC